Ein Bildungsaustauschprojekt im Gartennetzwerk Gartenpolylog
Frau Lian ist 67 Jahre alt und baut auf ihrer Gartenparzelle Koriander an, erntet regelmäßig, vermehrt ihn und verschenkt viel. Sie verwendet Koriander häufig in der Küche, die Gartenarbeit fällt ihr aber manchmal schon sehr schwer. Frau Aydin, eine junge türkische Gärtnerin auf der Nebenparzelle würde auch gerne Koriander anbauen, hat aber keine Bezugsquelle.
Herr Farkas ist Deutschlehrer und junger Vater und betreut ein Beet in einem Gemeinschaftsgarten mit seinem Sohn. Es ist ihr erster Garten und ihnen fehlen viele Gartenbaukenntnisse, beide sind aber technisch begabt und basteln gerne herum. Frau Rutska, eine Gartenbauingenieurin aus der Ukraine, die in einem anderen Garten eine Parzelle bewirtschaftet, würde gerne ihre Kenntnisse teilen, hat aber Probleme mit der deutschen Sprache. Interkulturelle Gemeinschaftsgärten sind Orte, wo Fragen und Problemlösungen aufeinander treffen können. In ihnen gärtnern Menschen, die in den verschiedenen Bereichen unterschiedliche Voraussetzungen, Erfahrungen und Fertigkeiten besitzen und von einander lernen können.
Vernetzt voneinander lernen
Es ist uns als Netzwerk ein Anliegen, gemeinsam mit den GärtnerInnen in den Gemeinschaftsgärten bei Bedarf den internen Austausch dieser Kenntnisse zu fördern und in diesem Sinne auch die Gemeinschaftsgärten untereinander zu vernetzen.
Einer der Schwerpunkte, die wir mit dem Bildungsaustauschprojekt setzen möchten, ist das Wissen zu Kulturpflanzenvielfalt in den Gärten zu teilen und so zu vermehren. Dabei sind Kenntnisse in der Pflanzenvermehrung bzw. -erhaltung von entscheidender Bedeutung.
Manche GärtnerInnen aus anderen Regionen der Welt, verfügen über Sorten aus ihrer Heimat, die sie im Gemeinschaftsgarten weiter vermehren möchten. Ihnen fehlen jedoch die ausreichenden Kenntnisse über Boden, Klima und Anbauerfordernisse in der neuen Umgebung (z. B. Vorziehen, Verkreuzungsmöglichkeiten) trotz viel Gartenerfahrung.
Der Gartenpolylog möchte herausfinden, welches Wissen in den Gärten vorhanden ist und wo Bedarf an Kenntnissen besteht. Zusätzlich zur Kulturpflanzenvielfalt werden im Laufe des Projekts noch andere Themen in den Vordergrund rücken.
